„Misereor Hungertuch 2025/2026 – Liebe sei Tat“

Die vielen Krisen, Kriege und tiefgreifende Veränderungen in unserer Welt verunsichern die Menschen. Manches, was lange selbstverständlich schien, gerät ins Wanken. Da stellen sich Fragen: Was ist noch wichtig im Leben? Was gibt uns Halt und Hoffnung?

Das Hungertuch von Misereor für die Jahre 2025/2026 mit dem Titel „Liebe sei Tat“ greift diese Fragen eindrucksvoll auf. Die Künstlerin Konstanze Trommer stellt in ihrem dreiteiligen Werk Kinder in den Mittelpunkt. Auf einer Sandbank, umgeben von Wasser, leben sie miteinander – spielend, sorgend, arbeitend. Während links ein heller, fast paradiesischer Himmel zu sehen ist, zieht rechts ein bedrohlicher Sturm auf. Ungewiss bleibt: Wird ihre kleine Insel standhalten?

Mitten zwischen Licht und Dunkel steht ein leuchtend-weißes Zelt, von Gold umrandet – der Farbe Gottes. Es erinnert an das „Zelt der Begegnung“, in dem Gott sein Volk auf dem Weg durch die Wüste begleitete. Auch in unsicheren Zeiten ist Gott mit uns unterwegs. Das Zelt ist ein mobiles Zuhause, ein Zeichen von Schutz und zugleich von Aufbruch. Es steht offen für alle – unabhängig von Herkunft oder Geschichte. Die entscheidende Frage lautet nicht: Woher kommst du, sondern wohin gehen wir gemeinsam?

Die jungen Menschen auf der Sandbank wagen Zukunft. Sie probieren aus, wie Zusammenleben gelingen kann. Sie helfen einander, übernehmen Verantwortung und nehmen Rücksicht. Das Bild macht Mut: Zukunft ist Wir. Mit der Enzyklika „Fratelli Tutti“ (8) erinnert uns Papst Franziskus daran, dass wir eine einzige große Menschheitsfamilie sind. Gerade in Krisen wird deutlich: Niemand schafft es allein. Nur gemeinsam können wir neue Wege finden.

Die Künstlerin bringt es auf den Punkt: Nicht Worte allein, sondern tatkräftige Liebe wird uns helfen, Krisen zu überwinden. Das „Zelt der Begegnung“ ragt wie eine Antenne der Liebe in den Himmel. Es nimmt die Nöte der Menschen und der Schöpfung wahr und ruft uns dazu auf, besonders die Bedürftigsten in die Mitte zu stellen.

Möge uns das Hungertuch in dieser Fastenzeit begleiten und ermutigen, gemeinsam zu träumen, gemeinsam zu handeln und aus dem Glauben heraus Zeichen der Hoffnung zu setzen. (Quelle: Dr. Claudia Kolletzki, Misereor)